Schleichender Arbeitsplatzwandel im Mittelstand

22. Februar 2012

Beeindruckend am Guerilla ist, dass er still ist und wirkungsvoll zugleich. Eine Studie der Microsoft-Tochter Skype nennt in diesem Zusammenhang das „Guerilla-Phänomen“ der “consumerization of IT”: Von unten nach oben, still und strebsam, erobern Geräte und auch Soziale Netzwerke die Geschäftswelt. Denn die meisten Entwicklungen, etwa Smartphones, aber auch die sozialen Netzwerke wie Facebook, waren ursprünglich einzig für die Konsumentenmärkte gedacht; Dieser Prozess wird nicht von der Unternehmensleitung angestoßen, ist keine Folge einer bewussten Unternehmenspolitik, sondern geschieht still und schleichend mit ein paar Mitarbeitern, die die überzeugenden Geräte und Programme sukzessive vom Privatleben ins Professionelle importieren. So ziehen sie in die Büros ein, machen die Arbeit effizienter und flexibler. Die Übertragung dieser Geräte und Netzwerke auf das Arbeitsleben hat massiven Einfluss auf deren Marktdurchdringung gehabt. Üblicherweise arbeiten Produktentwickler mühsam daran, verschiedene Märkte mit verschiedenen Strategien zu erobern, müssen im Parforceritt kraftraubende Rückschläge einstecken und Änderungen am Produkt vornehmen. Diese Märkte aber haben die Übertragung binnen kürzester Fristen selbst in die Hand genommen.

Es ist hier nicht der Entwicklungsdrang der Mitarbeiter bezogen auf den Geschäftszweck, die Produktpalette, den doch jeder Unternehmer sofort bereit ist mit aller Energie zu fördern. Hier ist  es der Drang, die Prozesse dahinter zu verbessern. Die Effizienz der Prozesse im Unternehmen ist entscheidend für den Erfolg eines Geschäftsmodells, neue Arbeitsmethoden führen zu einer Neuordnung dieser Prozesse, erneut, angetrieben durch die aufkommenden Technologien. Das alles hat noch weitere Effekte auf die Arbeitsplatzgestalt. Nämlich das Aufkommen neuer, flexiblerer Arbeitsplatzmodelle, der Abschied vom klassischen nine-to-five-Modell und eine veränderte Geisteshaltung gegenüber der Arbeit: Das Einrichten flexibler Home-Office-Strukturen wird durch diese Entwicklungen selbst für kleine und mittelgroße Unternehmen einfacher. Oder überhaupt erst möglich.

Selbstbestimmtheit macht sexy

Der Anteil der Unternehmen, die Heimarbeit einführen, variiert sehr stark und ist vor allem abhängig von der Betriebsgröße. Größere Unternehmen sind eher geneigt Heimarbeit im Zeichen ihrer Hauspolitik zuzulassen, als kleinere. Der Skype-Studie zufolge sagen aber schon 67 % der kleinen Unternehmen mit 10-19 Mitarbeitern, dass ihnen die Möglichkeit von Home-Office-Arbeit hilft, qualifizierte Mitarbeiter zu halten und neue gute Leute zu rekrutieren. Die Selbstbestimmtheit macht die Jobs attraktiver. Bei den Unternehmen mit 100 bis 499 Mitarbeitern sind es 76 %, die diese Wahrnehmung haben. Mit mehr und mehr verbesserten Technologien, die zudem mit fallenden Preisen zunehmend günstig einzukaufen sind, hat Heimarbeit, wenn der Arbeitsplatz richtig ausgestattet ist, noch einen Vorteil: Die Gemeinkosten im Unternehmen können verringert werden.

Die schnelle Entwicklung der mobilen Endgeräte und der enorme Wettbwerb der wenigen Anbieter und deren immerwährenden Kopf-an-Kopf-Rennen begünstigen die Tendenz hin zu Heimarbeitsplätzen auch im Mittelstand: Kaskaden von Neuentwicklungen und Nachmacherprodukten bei Smartphones und deren Softwareportfolio, Preiskämpfe entlang des gesamten Angebots, selbes bei Notebooks und Tablets, die Etablierung cloudbasierter Lösungen und – ganz wichtig – flächendeckend der wachsende Zugang zu besseren Internet-Verbindungen, der beispielsweise Videotelefonie und Cloud-Lösungen praktikabler macht: Dabei sagen 37 % der in der Studie befragten kleinen Unternehmen mit 10 bis 19 Mitarbeitern aus, „Videocalling ermöglicht reichere, produktivere Beziehungen zwischen Kollegen, Kunden und Lieferanten.“ Bei den mittleren Unternehmen mit 100 bis 499 Beschäftigten sind es bereits 50 % der Unternehmen.

Wie wichtig sind Ihnen flexible Arbeitsplatzgestaltungen? Bringt Heimarbeit nicht auch Vereinsamungstendenzen mit sich? Ich persönlich bin gern im Büro und tausche mich Face-to-Face mit meinen Arbeitskollegen aus. Schreiben Sie mir, ich bin sehr an Ihren Ansichten interessiert!


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