Kindgerechtes Design im Netz

05. Oktober 2010

Webseiten im Netz sind immer noch zu einem großen Teil auf bestimmte Nutzerkreise zugeschnitten. Dies könnte sich ändern. Zumindest wenn man die veränderte Nutzerzusammensetzung im Netz betrachtet. Der Euroweb Blog hat bereits davon berichtet, dass immer mehr Silver Surfer den Weg ins WWW finden. Eine weitere Gruppe wird allerdings häufig wenig beachtet: Kinder. Dabei verfügen mittlerweile drei von vier Kindern über einen Zugang zu einem Computer. Einen eigenen Rechner besitzen gar bereits 22 Prozent der sechs bis 13-jährigen. Dies ergab die „Kids-Verbraucher-Analyse“ (KVA) des Verlags Ehapa Egmont.

Doch die Kleinen nutzen die Rechner nicht nur zum Spielen, sondern erkunden auch bereits fleißig das Netz. Mehr als 67 Prozent waren schon einmal online und fast 30 Prozent nutzen das Internet täglich. Kindgerechtes Webdesign oder zumindest das Einrichten sogenannter „Subsites“ wird also immer wichtiger. Immerhin, so die Studie, ist das Markenbewusstsein der Kleinen sehr ausgeprägt und ihr Einfluss auf familiäre (Kauf-)Entscheidungen groß.

Für Unternehmen bedeutet das, bereits früh das Markenbewusstsein der Kinder anzusprechen und eine gewisse Markenloyalität aufzubauen. Denn Kinder entscheiden immer selbstbewusster, welche Kleidung sie tragen wollen oder über welchen MP3-Player sie Musik hören möchten. In den meisten Fällen folgen dabei die Eltern den Wünschen der Kleinen, nur bei großen Anschaffungen entscheiden sie noch mehrheitlich selbst.

Was Sie bei der Gestaltung von kindgerechten Websites beachten sollten

Die Nielsen Normane Group hat sich bereits vor einigen Jahren in einer umfangreichen Studie mit diesem Thema auseinander gesetzt. Wie zu erwarten fällt bei dem Gedanken an kindgerechtes Webdesign vor allem ein Begriff: Usability. Trotz der Tatsache, dass Kinder immer früher mit dem Computer und dem Netz konfrontiert werden, sollten ihre Möglichkeiten beim Umgang mit Technologie nicht überschätzt werden. Schlechte Usability trifft bei den Kleinen häufig auf fehlende Geduld. Komplex und verspielt aufgebaute Websites wecken also weniger die Neugier. Kinder fühlen sich stattdessen eher schnell überfordert, wenn sie auf einer Website nicht wissen, was sie machen sollen. Die Ungeduld strapazieren auch lange Ladezeiten durch zum Beispiel aufwendig gestaltete Flash-Elemente. Kinder wollen zudem immer wissen, wo sie sich gerade auf der Seite befinden. Die Navigation sollte also stringent sein und vor allem nicht über unterschiedliche Wege auf die gleichen Inhalte führen. Bei der Wahl der Interaktionstechniken sollten Webdesigner auf möglichst Bekanntes setzen. Ungewohnte Konzepte verwirren die Kinder eher, genauso übrigens wie schlecht erkennbare Anklickmöglichkeiten.

Vor der Gestaltung sollte das Unternehmen bewusst das Alter der Zielgruppe definieren. Da Kinder bereits sehr gut einschätzen können, für welche Altersgruppe Inhalte konzipiert sind. Zu viel Text stößt gerade Lesen lernende Kinder vor den Kopf, zu viel „Kindergrafik“ weckt wenig Interesse bei etwas älteren Kindern. Bei der Bedienung der Websites sind außerdem einige kinderspezifische Charakteristika zu berücksichtigen. So haben Animationen und Geräuscheffekte einen positiven, Seiten die durch Scrollen erkundet werden müssen, eher einen negativen Effekt. Dies resultiert aus der Tatsache, dass Kinder sich Websites über den für sie sichtbaren Bereich erschließen. Kinder tendieren zudem zum sogenannten „Mine-Sweeping“. Sie steuern also nicht direkt die Links einer Seite an, sondern „Erkunden“ die Websites indem sie den Cursor über die Seite wandern lassen. Überraschenderweise klicken Kinder häufiger auf Werbung als Erwachsene. Sie tun dies allerdings nicht aus Konsuminteressen, sondern da sie nicht zwischen Werbung und Inhalt unterscheiden können.

Grundsätzlich sollte man bei der Gestaltung einer kindgerechten Website oder Subsite immer daran denken, dass der Unterhaltungsfaktor für Kinder im Vordergrund steht. Websites sollten also unterhaltsam gestaltet und bedienbar sein und die Kinder einfach zu den Inhalten führen.

Wie pädagogisch wertvolle und kindgerecht aufbereitete Websites aussehen können, zeigen Beispiele aus der Datenbank „Websites für Kinder“ des Vereins Schulen ans Netz.

Spielen Sie mit dem Gedanken, für Ihre Unternehmenswebsite auch eine Subsite für Kinder einzurichten? Besitzen Sie vielleicht schon eine auf Kinder zugeschnittene Website? Auf welche Punkte haben Sie dabei geachtet?

Ich freue mich auf Ihre Kommentare.

Viele Grüße

André Nagel


Kommentare

  1. Websites für Kinder ansprechend zu machen ist eine gute Sache, aber sie dadurch an Marken zu gewöhnen ist auch etwas fragwürdig.

    Kommentar von Jasmin - 5. Oktober 2010 um 8:58

  2. Hallo @Jasmin und Karsten,

    vielen Dank für Ihre Kommentare.

    @Jasmin
    Der Anspruch der Gewöhnung an Marken beim kindgerechten Webdesign ist wirklich fraglich und sollte vor allem bei der Website-Gestaltung für Kinder nicht im Vordergrund stehen.

    @Karsten
    Da stimme ich Ihnen vollkommen zu. In vielen Fällen sind kreative Website-Gestaltungen nur auf den ersten Blick wirklich überzeugend. Häufig scheitern toll gestaltete Webseiten an der Bedienbarkeit, und dass nicht nur bei Kindern und älteren Menschen.

    Viele Grüße,
    André Nagel

    Kommentar von Unternehmenskommunikation - 5. Oktober 2010 um 8:58

  3. Beim optischen Design einer Webseite ist es schwer, es allen Altersgruppen recht zu machen. Die Usability einer Webseite sollte ohnehin immer so sein, dass Kinder und ältere Menschen mit der Benutzung der Webseite zurecht kommen. Aber genau diesen Usability-Aspekt beherzigen viele Webseitenbetreiber nicht und wundern sich dann über die Absprungsrate.

    Kommentar von Karsten - 5. Oktober 2010 um 8:58

  4. Websites für Kinder ansprechend zu machen ist eine gute Sache, aber sie dadurch an Marken zu gewöhnen ist auch etwas fragwürdig.

    Kommentar von Jasmin - 5. Oktober 2010 um 8:58

  5. Hallo @Jasmin und Karsten,

    vielen Dank für Ihre Kommentare.

    @Jasmin
    Der Anspruch der Gewöhnung an Marken beim kindgerechten Webdesign ist wirklich fraglich und sollte vor allem bei der Website-Gestaltung für Kinder nicht im Vordergrund stehen.

    @Karsten
    Da stimme ich Ihnen vollkommen zu. In vielen Fällen sind kreative Website-Gestaltungen nur auf den ersten Blick wirklich überzeugend. Häufig scheitern toll gestaltete Webseiten an der Bedienbarkeit, und dass nicht nur bei Kindern und älteren Menschen.

    Viele Grüße,
    André Nagel

    Kommentar von Unternehmenskommunikation - 5. Oktober 2010 um 8:58

  6. Beim optischen Design einer Webseite ist es schwer, es allen Altersgruppen recht zu machen. Die Usability einer Webseite sollte ohnehin immer so sein, dass Kinder und ältere Menschen mit der Benutzung der Webseite zurecht kommen. Aber genau diesen Usability-Aspekt beherzigen viele Webseitenbetreiber nicht und wundern sich dann über die Absprungsrate.

    Kommentar von Karsten - 5. Oktober 2010 um 8:58

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