Google Street View in der Kritik

05. März 2010

Wie es wohl ist, Google zu sein? Diese Frage stellten sich Aktivisten der Künstlergruppe „Free Art and Technology (F.A.T.) Lab“. Als ziemlich kreative Form der Google-Kritik bauten sie im Rahmen der Transmediale in Berlin ein Google Streetcar samt Kamera-Attrappe nach. Sie schauten, wie Passanten auf die angebliche Präsenz von Google Street View reagierten. Dabei inszenierten sie auch mögliche Szenen der Eskalation. So spielte ein F.A.T.-Aktivist, dass er nicht abgelichtet werden wollte. In seiner Rolle als in seinem Persönlichkeitsrecht bedrohter Passant wusste er sich dann nur mit Handgreiflichkeiten gegen den vermeintlichen Google-Mitarbeiter zu helfen. „Ich darf das – ich bin Google“ war dabei der provozierende Slogan der Aktivisten.

38 Prozent der Deutschen haben große Angst vor Google   

Die Idee von Google Street View sorgte schon 2007 für große Aufregung. Als damals die Idee und erste Demo-Videos auftauchten waren die meisten User fasziniert. So manchen überkam bei dieser Meldung aber auch ein Schauern. Denn nicht jedem gefällt die Vorstellung, er selbst oder sein Haus könnten ohne eigenes Zutun und sogar ohne sein Einverständnis “gescannt“ und ins Netz gestellt werden. Genau genommen sind es sogar 38 Prozent aller Deutschen, die der Allgegenwärtigkeit von Google misstrauen. Dicht gefolgt von Facebook (26 Prozent der Deutschen). Ausschlaggebend dafür ist die weit verbreitete Furcht vor Datenspionage und -missbrauch (52 Prozent). Die Angst vor Computerviren (64 Prozent) ist allerdings größer. Das brachte diese Woche eine Umfrage von Faktenkontor und Toluna zu Tage.

Google hat kein leichtes Spiel mit den Datenschützern in Deutschland

Seit 2008 fahren Google-Streetcars durch deutsche Städte. Inzwischen ist Google Street View in vielen Ländern bereits online abrufbar – so zum Beispiel in den Niederlanden, Frankreich, sogar in Prag und natürlich in den USA. Google Deutschland hingegen wurde ein Stolperstein nach dem anderen in den Weg gelegt. Datenschützer wehren sich vehement gegen die, in ihren Augen von Google perfektionierte, „Kommerzialisierung von persönlichen Daten und eigenen Bildern“. Google Street View reagierte, indem Autokennzeichen und Gesichter von Passanten verpixelt also unkenntlich gemacht werden.

Google kommuniziert jetzt verstärkt das Widerspruchsrecht

Darüber hinaus kann ich als Passant, Hauseigentümer oder Mieter auch von meinem Widerspruchsrecht Gebrauch machen, wenn ich oder mein Haus von Google Street View abgelichtet wurde. Wenn ich es denn mitbekommen habe… Dafür muss ich eine E-Mail an streetview-deutschlandgoogle.com schicken, für die es eine Eingangsbestätigung von Google gibt. Wenn es um mein Haus geht, muss ich es im nächsten Schritt aber noch genau identifizieren. Ist das Bild schon bei Google Street View online, kann ich das Foto aber immer noch entfernen lassen. Das Verbraucherministerium hat inzwischen auch auf seiner Internetseite einen Musterwiderspruch veröffentlicht. In Deutschland soll Google Street View noch 2010 ins Netz gehen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat in ihrer Video-Botschaft von Ende Februar zu verstehen gegeben, dass sie sich Google Street View nicht in den Weg stellen wird. Merkel forderte „einen selbstbewussten Umgang der Nutzer mit dem Internet“.

Google Street View bemüht sich in Deutschland um Aufklärung und Akzeptanz

Deutschland stellt eine erhebliche Ausnahme dar: Die in der Bundesrepuplik besonders verbreitete Furcht zu einem „gläsernen Menschen“ zu werden, hatte zu erheblichen Zugeständnissen von Google Deutschland geführt. Das gilt jedoch nicht für andere Länder. Dass sich die Datenschutzrechtler der anderen europäischen Staaten durch das Vorgehen von Google Deutschland bestärkt fühlen und dem deutschen Vorbild folgen werden, ist dabei glasklar!

Mitarbeiter von Google versuchen weiterhin bei Politikern für Aufklärung und Wohlgesinnung zu sorgen. So war eine von Google gesandte Street-View-Expertin auf dem NRW-Landesparteitag der SPD in Dortmund vertreten. Und weitere Infostände auf Parteitagen sollen folgen.

Lesen Sie in Kürze im Euroweb Blog, welches die genaue Rechtslage ist, wenn Google Street View wieder auf den Auslöser gedrückt hat.

Bis dahin,

Lauren Dohnalek

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Kommentare

  1. Google hat für mich schon genug Monopol auf dem Datenmarkt. Wenn Sie mit ihrer Google Street View – Aktion in Deutschland durchkommen, habe ich ernsthaft Angst vor Stalkern! Grüße

    Kommentar von Bassing - 5. März 2010 um 12:35

  2. Google hat für mich schon genug Monopol auf dem Datenmarkt. Wenn Sie mit ihrer Google Street View – Aktion in Deutschland durchkommen, habe ich ernsthaft Angst vor Stalkern! Grüße

    Kommentar von Bassing - 5. März 2010 um 12:35

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