Gastbeitrag: Local Marketing in allen Spielklassen

09. März 2012

Local Marketing richtet sich vor allem an die kleinen und kleinsten Unternehmen einer Stadt, eines Bezirks oder eines Dorfes: die Bäckerei um die Ecke, die zehn Minuten entfernte Fahrschule, die Diskothek, die fünf Kilometer weiter Neueröffnung feiert. So unterschiedlich ihr Tagesgeschäft ist, so ähnlich sind die Bestrebungen, dass potenzielle Kunden zu ihnen kommen und dort das – bekanntlich nur begrenzt – verfügbare Geld lassen. Zumindest einen Teil davon. Das Werben um neue und die Bindung bestehender Kunden gehört für kleine Unternehmen genauso zum Job wie Brötchen backen, Fahren beibringen oder Drinks ausschenken.

Für genau dieses Werben gibt es bereits seit Jahrzehnten vielfältige Möglichkeiten: Flyer drucken und verteilen, Plakate und vor allem klassische Werbeanzeigen in den regionalen Zeitungen und Anzeigenblättern. Doch zu diesen teuren und oft leider ineffizienten Strukturen gesellt sich in den letzten fünf bis zehn Jahren eine gewaltige Konkurrenz: die Online-Werbung mit Social Media.

Eigene Erfahrungen

Vor knapp acht Jahren und lange vor der „Facebook-Ära“ etablierten wir ein soziales Netzwerk im Münchner Osten und machten unsere ersten eigenen Erfahrungen mit Local Marketing. Schnell stellte sich heraus: die Möglichkeiten sind mannigfaltig, der potenzielle Kundenstamm geradezu monströs und deren Vorbehalte, Werbung im Internet zu schalten, ebenso. Viele Gewerbetreibende wollten mehr Aufmerksamkeit, mehr Kunden, mehr Umsatz. Aber hierfür Werbung im Internet schalten? „Das sieht doch keiner“ war der einhellige Tenor.

Doch die Jahre vergingen, die Plattform besuchten 2009 über 70.000 Menschen und es gab mehr Anfragen als verfügbare Werbeplätze auf der Seite. Denn die Nutzer sollten ja eine Plattform zum Kommunizieren vorfinden und keine elektronische Werbetafel. Fahrschulen erkannten allen voran den Wert der Seite: Ihr Zielpublikum erreichen sie nicht mehr mit einer großformatigen Anzeige in den Zeitungen, die zwei Drittel Werbung und ein Drittel redaktionellen Inhalt frei Haus lieferten. Ihre Klientel sprachen sie dort an, wo sie einen Großteil ihrer Zeit verbrachten: im Web 2.0.

Immer mehr Möglichkeiten mit Social Media

Jetzt, 2012, gibt es mit Facebook, Twitter, Foursquare, Google Places und vielen mehr eine unüberschaubare Palette, sein Produkt oder seine Dienstleistung im Internet ordentlich zu bewerben. Ähnlichkeiten mit einem „Freemium-Model“ sind nicht ganz von der Hand zu weisen: Die meisten Plattformen bieten kostenlose Grundeinträge, doch wer wirklich herausstechen und vorne mit dabei sein will, muss seinen Geldbeutel öffnen. Und das ist auch gut, denn hierüber finanzieren sich schließlich die Angebote, die viele von uns dadurch kostenlos nutzen können. „Werben kostet Geld, nicht werben kostet Kunden“ dürfte jedem ein Begriff sein.

Facebook bietet wie Google+ (Unternehmens-)Seiten, denen die Kundschaft folgen kann. Das ist wohl die mit Abstand effizienteste Möglichkeit, die Käufer bei der Stange zu halten, über Neuerungen zu informieren und somit wieder zu sich zu locken. Nachteil: Die Anhängerschaft muss erst aufgebaut und dann sorgsam gepflegt werden, nicht jedem Bäcker von nebenan dürfte das gelingen.

Darüber hinaus bietet Facebook mit den sogenannten Facebook Ads Unternehmen auch die Möglichkeit, Anzeigen direkt auf Facebook zu schalten. Da Facebook hierfür die Daten aus den Nutzerprofilen verwendet, ist hier ein sehr genaues Targeting möglich. Das heißt, man kann nach Alter, Geschlecht, Wohnort, Interessen etc. festlegen, wem die Anzeige in seinem Profil angezeigt werden soll. Wer zum Beispiel in Berlin wohnt, zwischen 18 und 25 Jahre alt ist und als Interesse „Weggehen“ angegeben hat, der wird sich sicherlich für die Diskoneueröffnung in Berlin interessieren.

Direkt vor Ort

Interessanter als diese „statischen“ Werbemöglichkeiten sind meines Erachtens die Chancen der Vermarktung vor Ort mithilfe von Tablets und Smartphones mit GPS. Zwar gibt es noch – völlig zu Recht – datenschutzrechtliche Bedenken, die im Vorfeld geklärt werden sollen und müssen, doch klingen die Versprechen dieser Techniken nach einer wahren Win-Win-Situation für Käufer und Verkäufer. Denn warum sollte der Kunde nicht mit einem Klick erfahren können, was sich in seinem Umfeld von ein paar hundert Metern befindet? Gesponsert durch die Werbung, die auf seine Interessen abzielen, also was er mag und für was er sich begeistert? Er findet zum einen das, wonach er gesucht hat, und darüber hinaus bietet sich ihm die Chance, Neues zu entdecken, wovon er zuvor noch gar nichts wusste.

Nicht auf ein Angebot versteifen

Doch so schön das alles in der Theorie auch klingen mag: Praktisch muss es umgesetzt und die Win-Win-Situation erst noch unter Beweis gestellt werden. Denn was hilft das Angebot bei Groupon, wenn der Kunde lieber DailyDeal nutzt? Die Werbetreibenden dürfen sich hier nicht nur auf ein Angebot versteifen und erst recht nicht darauf vertrauen, dass die heute erfolgreiche Plattform morgen auch noch die beste Möglichkeit für die Vermarktung sein wird. Für sie wird es in den kommenden Monaten und Jahren vermutlich eher erstmal schwieriger als leichter, online Local Marketing zu betreiben. Denn ist eine gute Seite erfolgreich, finden sich schnell Nachahmer, die einem potenzielle Kunden unter Umständen „abwerben“ können. Aber auch dem steht natürlich der allseits bekannte Spruch entgegen: „Konkurrenz belebt das Geschäft.“

Autor: Sebastian Blum gründete 2004 neben seinem Studium ein regionales Social Network und widmet sich aktuell dem Start-Up stellenangebote.net.


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