Facebook soll neues Zuhause werden

27. September 2011

Mark Zuckerberg will zukünftig alles auf Facebook in einer gigantischen Zeittafel vereinen. „Timeline ist die Geschichte eures Lebens“, pries Zuckerberg die zentrale Neuerung bei der Entwickler-Konferenz f8 in San Francisco an. Demnächst sollen Mitglieder möglichst viele persönliche Informationen und Aktivitäten auf ihrem Facebook-Profil präsentieren können. Angefangen bei Babyfotos, großen Ereignissen, Beziehungsstatus, Hochzeit, Reisen etc. bis hin zu kleinen Aktivitäten, wie das Anschauen eines Videos, das Nutzen von Apps oder das Kochen eines bestimmten Rezepts.

Länger zurückliegende Posts eines Nutzers rutschten bislang nach gewisser Zeit sozusagen von der Pinnwand herunter und verschwanden nahezu vollständig. Dies soll sich nun ändern, denn demnächst werden alle Posts nach Wichtigkeit sortiert sichtbar sein. Für den Nutzer „wichtige“ Ereignisse sollen fortan permanent sichtbar bleiben, weniger wichtige werden zusammengeklappt und nur auf Wunsch wieder hervorgeholt. Damit entsteht ein Endlos-Steckbrief im Magazin-Layout, der so ein viel besseres Gesamtbild von einem spezifischen Nutzer ergeben soll. Jedem Nutzer steht hierzu angeblich frei, was wie groß gezeigt werden soll.

Auch optisch kommt das Facebook-Profil neu daher: So steht das Profilbild des Nutzers nicht mehr klein in einer Ecke des Bildschirmfensters, sondern erstreckt sich fast über dessen gesamte Breite. Darunter folgt die Chronik. „Die größte Herausforderung sei es gewesen, das Profil so zu gestalten, dass ein Lebenslauf auf eine Seite passe, sagte Zuckerberg. Gelungen sei das mit einer Art Zeitraffer: Erlebnisse, die weit in die Vergangenheit reichen, würden einfach zusammengefasst.

Veränderter Umgang mit Apps

„Open Graph“ bietet eine neue Erweiterung, bei der jegliche Aktivitäten, insbesondere von genutzten Applikationen, bei Facebook veröffentlicht werden. Nutzer können fortan von externen Entwicklern angebotene Apps verwenden, etwa zur Lieblingsmusik, zu Hobbys, Filmen oder Büchern. Diese soll der Nutzer automatisch mit ausgewählten Facebook-Freunden teilen können, ohne dass es eines „Gefällt mir“- oder „Teilen“-Knopfes bedarf. Der App-Anbieter Spotify hat beispielsweise eine App programmiert, mit der Nutzer in Echtzeit erfahren können, welche Musik ihre Freunde gerade hören – und nur einen Klick weiter können sie dann gleich mithören. Das gleiche Prinzip funktioniere auch bei Apps für elektronische Bücher, Nachrichten oder Filme. In einem Seitenstreifen namens „Ticker“ wird ständig zu sehen sein, was die eigenen Netzwerkkontakte gerade in diesem Moment tun. Wer also liest, dass ein Freund gerade einen bestimmten Song (über die Spotify-Musik-App) hört, braucht nur zwei Klicks, um parallel den gleichen Song zu hören. Genauso kann man die gleiche Serienfolge (über die TV-Serien-Streaming-Plattform Hulu) oder den gleichen Film (über die Film-Streaming-Plattform Netflix) gemeinsam schauen. Wenn mehrere Freunde gerade das Gleiche tun oder kürzlich getan haben, merkt das ein Algorithmus und verschiebt die Information in den eigentlichen, langsameren sowie wichtigeren Newsfeed. Das sieht dann folgendermaßen aus: „4 Freunde haben gerade eine Serie mit Ashton Kutscher gesehen.“ Der Newsfeed kann auch insbesondere für Spiele interessant sein. So informiert er etwa durch „Mike spielt … mit …“ darüber, dass gerade Freunde gemeinsam ein Spiel spielen. Neugierige können dann durch Auswahl des Eintrages auch gleich sehen, wie das Spiel aussieht – denn jede App zeigt anhand eines Bildes, wie sie aussieht.

„Wir wollen euch nicht nur einen Ort kreieren, an dem ihr all eure Geschichten und Apps hinpacken könnt“, sagte Zuckerberg. „Wir wollen Timeline zu einem Ort machen, bei dem ihr stolz seid, ihn euer Zuhause zu nennen.“

Neuerungen auch beim Datenschutz?

Natürlich hat Facebook nicht nur an die Nutzer gedacht: Die zentrale Sammlung von Verbraucherinformationen eröffne auch ganz neue Möglichkeiten für Unternehmen bei der Vermarktung ihrer Produkte. Facebook-Profile würden zu interaktiven, digitalen Sammelalben für Verbraucherdaten – mit großem Wert für die Werbeindustrie.

Facebook gab an, bei der Ausgestaltung von Timeline mit Datenschützern zusammengearbeitet zu haben. Es werde einfach sein, die Kontrolle darüber zu behalten, welche Informationen mit wem geteilt werden sollen. Eine Testversion von Timeline hat Facebook bereits teilweise online verfügbar gemacht. In den kommenden Wochen soll die Neuerung dann flächendeckend im gesamten Netzwerk eingeführt werden.

Was halten Sie von den Neuerungen bei Facebook? Denken Sie, dass zu viel persönliche Informationen uns zu gläsernen Kunden machen? Oder sind Sie der Meinung, diese Art der Darstellung ist eine gelungene Vision eines modernen interaktiven Netzwerkes?

Ich bin sehr gespannt auf Ihre Kommentare.

Viele Grüße,

Dorothea Zeidler


Kommentare

  1. Facebook hatte mal den Leitgedanken den Menschen eine Plattform zu bieten, auf der man sich weltweit vernetzen und miteinander kommunizieren konnte – mehr nicht! Die Philosophie die dahinter stand wird heute nicht mehr vertreten. Heute zählen Börsenwert und Werbeeinnahmen, alles Andere ist in den Hintergrund gerückt. Neue Features dienen doch nur dazu, die alten Nutzer zu binden und neue zu gewinnen.

    Der heutige Facebook-Nutzer ist zum kostenlosen Lieferanten wertvoller Informationen geworden – und hat es nur noch nicht begriffen!

    Kommentar von Jürgen - 27. September 2011 um 9:44

  2. Bin gespannt, wann ich das erste Mal im Laden anhand meiner Facebook App personalisierte Werbung zu hören bekomme. Unfassbar.

    Gruß

    Kommentar von Lesen - 27. September 2011 um 9:44

  3. Facebook hatte mal den Leitgedanken den Menschen eine Plattform zu bieten, auf der man sich weltweit vernetzen und miteinander kommunizieren konnte – mehr nicht! Die Philosophie die dahinter stand wird heute nicht mehr vertreten. Heute zählen Börsenwert und Werbeeinnahmen, alles Andere ist in den Hintergrund gerückt. Neue Features dienen doch nur dazu, die alten Nutzer zu binden und neue zu gewinnen.

    Der heutige Facebook-Nutzer ist zum kostenlosen Lieferanten wertvoller Informationen geworden – und hat es nur noch nicht begriffen!

    Kommentar von Jürgen - 27. September 2011 um 9:44

  4. Bin gespannt, wann ich das erste Mal im Laden anhand meiner Facebook App personalisierte Werbung zu hören bekomme. Unfassbar.

    Gruß

    Kommentar von Lesen - 27. September 2011 um 9:44

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