Ergebnisse der ARD/ZDF-Onlinestudie 2011

16. August 2011

Die Internetverbreitung in Deutschland steigt weiter an. 2,7 Millionen neue Onliner binnen eines Jahres, die meisten von ihnen aus der Altersgruppe der Über-60-Jährigen. Mit anderen Worten: Nahezu dreiviertel der erwachsenen Bevölkerung in der Bundesrepublik sind online. Die Zahlen der ARD/ZDF-Onlinestudie waren wohl selten so beeindruckend wie im 20. Jahr nach der Erfindung des World Wide Web.

Zum bereits 15. Mal hat die Enigma GfK Medien- und Marketingforschung im Auftrag des BR, hr, RBB, SWR und ZDF die Internetnutzung der Deutschen erhoben.  Die repräsentative Befragung zeichnet 2011 ein völlig anderes Bild, als bei der ersten Untersuchung im Jahr 1997. Damals waren gerade einmal 6,5 Prozent der Deutschen im Internet. Jung, männlich und gut gebildet, das sind die wesentlichen Attribute dieser „Early Adopters“. Im Jahr 2011  ist der Onliner „erwachsen“ geworden und mittlerweile durchschnittlich 40 Jahre alt. Die Kluft zwischen den Geschlechtern verringert sich und auch das Nutzungsverhalten der Generationen – zumindest in den klassischen Anwendungen wie E-Mail-Kommunikation und Informationssuche – nähert sich an.

Silver Surfer entdecken das Web

Ganz besonders interessant ist die Entwicklung der Internetnutzung in der Altersgruppe der Über-60-Jährigen. Der Zuwachs von 2,7 Millionen neuen deutschen Onlinern innerhalb des vergangenen Jahres erklärt sich nahezu ausschließlich aus diesem Alterssegment. Die Autoren der ARD/ZDF-Onlinestudie meinen: Von der Generation der so genannten Silver Surfer ist in Zukunft noch einiges an Wachstum zu erwarten. Immerhin machen die Über-60-Jährigen in Deutschland mehr als 20 Millionen Menschen aus und erst jeder Dritte von ihnen surft im Internet.

Männer nach wie vor etwas Internet affiner als Frauen

Während die Gruppe der Silver Surfer vor allem männlich dominiert ist (29,8 versus 9,1 Prozent), liegen die Geschlechter in den Altersgrupppen 14 bis 29 sowie 20 bis 49 in ihrer Internetnutzng nahezu gleich auf. Dennoch: Männer sind im Allgemeinen Internet affiner und aktiver im Netz. Sie nutzen mehr zeitaufwendigere Anwendungen als Frauen, betreiben häufiger Blogs usw. Einzig in der Nutzung von Onlinecommunities liegt der Anteil der Frauen, die diese mindestens einmal pro Woche nutzen, etwas höher, als bei den männlichen Onlinern.

Suchmaschinennutzung bleibt beliebteste Online-Anwendung

Wesentlich spannender ist die Frage, was die inzwischen 51,7 Millionen deutschen Onliner im Netz tun: Auf Platz eins und zwei der meist genutzten Online-Anwendungen liegen – wie schon seit 15 Jahren – dass Senden und Empfangen von E-Mails (80 Prozent) sowie die Nutzung von Suchmaschinen (83 Prozent). 47 Prozent der befragten Onliner surfen der Studie zufolge gern einfach so im Internet und jeder Dritte erledigt seine Bankgeschäfte online. Vor allem die jüngeren Altersgruppen nutzen häufig Onlinecommunities (71 Prozent der 14 bis 29-Jährigen). Immerhin 68 Prozent der deutschen Onliner sehen sich 2011 Videos im Internet an. Besonders beliebt dabei: Videoportale (58 Prozent), zeitversetztes Fernsehen (29 Prozent), aber auch live Fernsehen (21 Prozen) und ferner Videopodcasts (4 Prozent). Jeder zweite deutsche Internetnutzer hat inzwischen auch Erfahrung mit Audios im Netz gesammelt.  Besonders das Livehören von Radioprogrammen im Internet hat in den letzten Jahren an Attraktivität gewonnen, Mittlerweile gibt es in Deutschland 14,06 Millionen Internet-Radiohörer.

Anteil mobiler Internetnutzer hat sich verdoppelt

Wenig überraschend: Im Jahr der vierten iPhone-Generation schlägt sich das Stichwort „mobil“ auch deutlicher denn je in der ARD/ZDF-Online-Studie nieder. Nur noch drei von vier Onlinern nutzen einen PC für den Internetzugang, jeder Zweite surft mit dem Laptop und immerhin 16 Prozent der deutschen Onliner nutzen das Internet via moderner Handys, Smartphones und anderer mobiler Endgeräte. Ihr Anteil hat sich im Vergleich zum Vorjahr vedoppelt. Der typische mobile Surfer ist dabei männlich und jünger als 30 Jahre. Personen, die das Internet mobil nutzen, tun dies vor allem zur Kommunikation sowie um aktuelle Verkehrs- und Wetterinformationen abzurufen. Darüber hinaus verbinden sie sich häufig über Apps mit sozialen Netzwerken oder laden sich kleine Spielanwendungen herunter.

Alles in einem ist auch die neue ARD/ZDF-Onlinestudie wieder ein Hinweis darauf, dass Online-Angebote sich mehr und mehr in unseren Alltag integrieren. Als Leitmedium Nummer eins – so schlussfolgern die Autoren – werden die Onlinemedien das Fernsehen jedoch so schnell nichrt verdrängen und starke TV- und Printmedien werden sich auch auf den (nicht mehr ganz so) neuen Abrufplattformen behaupten.

Welche Zahlen sind Ihnen beim Lesen der neuen Nutzungsstudie besonders aufgefallen? Was sind Ihre meist genutzten Anwendungen im Internet und gehören auch Sie zu den mittlerweile 16 Prozent der deutschen Onliner, die das Internet mobil nutzen?

Ich freue mich auf Ihre Kommentare.

Viele Grüße

Franziska Bravo Roger


Kommentare

  1. Der Anteil der mobilen Nutzung mag sich zwar verdoppelt haben, aber der mobile Hype ist nach wie vor nur ein Hype. Die richtige Arbeit wird nach wie vor am Computer (sei es Laptop oder PC) erledigt, was sicherlich auch daran liegt, wie das Internet in der Arbeit genutzt werden kann.
    Mit einem Computer kann man unauffällig und bequem surfen, was mit den doch sehr kleinen Smartphones nur schlecht geht.

    Kommentar von Andreas Ostheimer - 16. August 2011 um 8:44

  2. @ Anreas Ostheimer:

    Vielen Dank für Ihren Kommentar. Ich stimme Ihnen zu, die mobilen Endgeräte (im Übrigen bezieht sich die Studie dabei m. E. nicht nur auf Smartphones, sondern auch auf Tablets) werden PC und Laptop ganz sicher nicht als Haupt-Internetzugänge ablösen. Natürlich sind größere Monitore für das Arbeiten im Web wesentlich komfortabler. Zudem: Bislang lassen auch viele mobile Websites noch zu wünschen übrig, was die nutzerfreundliche Gestaltung angeht. Ob die mobile Internetnutzung allerdings nur ein vorübergehender Hype ist, würde ich in Frage stellen. Experteneinschätzungen (etwa die Mobile Web Watch-Studie, die unser Blogeintrag vom 2. August behandelt) prognostizieren eher das Gegenteil. Mobiles Internet auf dem Smartphone wird sich in den kommenden Jahren sicher weiter etablieren und verbreiten, freilich aber eher als praktisches “Hosentaschen-Web” für unterwegs.

    Beste Grüße
    Franziska Bravo Roger

    Kommentar von Unternehmenskommunikation - 16. August 2011 um 8:44

  3. @HDegen:

    Ihre Einschätzung teile ich voll und ganz. Auch wenn in den vergangenen Jahren immer mehr Senioren den Schritt ins Web gewagt haben, ist diese Altersgruppe im Großen und Ganzen nach wie vor weniger Internet affin, als die jüngeren Generationen. Dazu noch eine interessante Zahl aus der ARD/ZDF-Onlinestudie: Die tägliche Internet-Nutzungsdauer liegt bei den Über 50-Jährigen im Durchschnitt bei 34 Minuten. Alle übrigen Altersgruppen dagegen verbringen am Tag durchschnittlich je mehr als 100 Minuten online. Ob das allein dadurch erklärt werden kann, dass es zu wenig „Senioren gerechte Seiten“ im Netz gibt, kann ich nicht beurteilen, von der Hand zu weisen ist diese Begründung aber sicher auch nicht. Übrigens: Unter http://www.senioren-links.info/ sind mehrere hundert Internetangebote für Silver Surfer aufgelistet – vielleicht ein nützlicher Link.

    Beste Grüße und vielen Dank für Ihren Kommentar.

    Franziska Bravo Roger

    Kommentar von Unternehmenskommunikation - 16. August 2011 um 8:44

  4. Dass die Silver Surfer der neue Markt des World Wide Web sind ist ja schon seit Jahren klar, nur leider kann ich keine Entwicklung erkennen, die die Generation 60+ einbezieht. Es gibt zwar immer mehr Seiten, die für das ältere Publikum gestaltet sind, aber trotzdem passiert mir immer noch zu wenig in dieser Richtung. Die meisten älteren Internetnutzer, die ich kenne, fühlen sich oft von den Informationsmassen und der Schnelligkeit des Internets überfordert und nutzen es daher relativ selten.

    Kommentar von HDegen. - 16. August 2011 um 8:44

  5. Der Anteil der mobilen Nutzung mag sich zwar verdoppelt haben, aber der mobile Hype ist nach wie vor nur ein Hype. Die richtige Arbeit wird nach wie vor am Computer (sei es Laptop oder PC) erledigt, was sicherlich auch daran liegt, wie das Internet in der Arbeit genutzt werden kann.
    Mit einem Computer kann man unauffällig und bequem surfen, was mit den doch sehr kleinen Smartphones nur schlecht geht.

    Kommentar von Andreas Ostheimer - 16. August 2011 um 8:44

  6. @ Anreas Ostheimer:

    Vielen Dank für Ihren Kommentar. Ich stimme Ihnen zu, die mobilen Endgeräte (im Übrigen bezieht sich die Studie dabei m. E. nicht nur auf Smartphones, sondern auch auf Tablets) werden PC und Laptop ganz sicher nicht als Haupt-Internetzugänge ablösen. Natürlich sind größere Monitore für das Arbeiten im Web wesentlich komfortabler. Zudem: Bislang lassen auch viele mobile Websites noch zu wünschen übrig, was die nutzerfreundliche Gestaltung angeht. Ob die mobile Internetnutzung allerdings nur ein vorübergehender Hype ist, würde ich in Frage stellen. Experteneinschätzungen (etwa die Mobile Web Watch-Studie, die unser Blogeintrag vom 2. August behandelt) prognostizieren eher das Gegenteil. Mobiles Internet auf dem Smartphone wird sich in den kommenden Jahren sicher weiter etablieren und verbreiten, freilich aber eher als praktisches “Hosentaschen-Web” für unterwegs.

    Beste Grüße
    Franziska Bravo Roger

    Kommentar von Unternehmenskommunikation - 16. August 2011 um 8:44

  7. @HDegen:

    Ihre Einschätzung teile ich voll und ganz. Auch wenn in den vergangenen Jahren immer mehr Senioren den Schritt ins Web gewagt haben, ist diese Altersgruppe im Großen und Ganzen nach wie vor weniger Internet affin, als die jüngeren Generationen. Dazu noch eine interessante Zahl aus der ARD/ZDF-Onlinestudie: Die tägliche Internet-Nutzungsdauer liegt bei den Über 50-Jährigen im Durchschnitt bei 34 Minuten. Alle übrigen Altersgruppen dagegen verbringen am Tag durchschnittlich je mehr als 100 Minuten online. Ob das allein dadurch erklärt werden kann, dass es zu wenig „Senioren gerechte Seiten“ im Netz gibt, kann ich nicht beurteilen, von der Hand zu weisen ist diese Begründung aber sicher auch nicht. Übrigens: Unter http://www.senioren-links.info/ sind mehrere hundert Internetangebote für Silver Surfer aufgelistet – vielleicht ein nützlicher Link.

    Beste Grüße und vielen Dank für Ihren Kommentar.

    Franziska Bravo Roger

    Kommentar von Unternehmenskommunikation - 16. August 2011 um 8:44

  8. Dass die Silver Surfer der neue Markt des World Wide Web sind ist ja schon seit Jahren klar, nur leider kann ich keine Entwicklung erkennen, die die Generation 60+ einbezieht. Es gibt zwar immer mehr Seiten, die für das ältere Publikum gestaltet sind, aber trotzdem passiert mir immer noch zu wenig in dieser Richtung. Die meisten älteren Internetnutzer, die ich kenne, fühlen sich oft von den Informationsmassen und der Schnelligkeit des Internets überfordert und nutzen es daher relativ selten.

    Kommentar von HDegen. - 16. August 2011 um 8:44

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