Ein kurzer Rückblick auf die Typo

30. Juni 2008

In diesem Jahr konnte ich als Abgesandter der Euroweb zur TYPO in Berlin gehen. Die TYPO ist die größte Designkonferenz Europas und steht jedes Jahr unter einem anderen Thema. Die 2008er Ausgabe beschäftigte sich mit Image. Auf vier Bühnen hielten 60 Referenten an drei Tagen Vorträge über Bilder. Bilder die man macht. Bilder die man hinterlässt.

Von inspirierend, spannend, langweilig, hochinteressant, oberflächlig, witzig, kritisch war alles dabei. Und wenn man drei Tage in einem abgedunkelten Saal sitzt, muss man danach erstmal seine Gedanken sortieren.

Direkt nach meiner Ankunft am ersten Tag, fiel ich am Fahrradständer über Alexander Branczyk. Da wir uns aus meiner Zeit vor Euroweb kennen, gab es gleich ein paar Insiderinformationen und ich wusste, dass der Tag lang werden würde. Den Font-Fight am Abend zwischen ihm, Kurt Weidemann und Überaschungsgast Erik Spiekermann wollte ich keinesfalls Verpassen.

Aber erstmal registrieren und die TYPO-Tasche (vollgestopft mit Werbung und einer Brand eins) abgreifen.

Dann sollte es mit den ersten Vorträgen beginnen. Da es aber in London eine Bombendrohung am Flughafen gab, startete nicht Alison Jackson sondern Jonathan Barnbrook (http://www.barnbrook.net/). Jonathan begrüßte die Anwesenden mit einem freudigen „Hello motherfuckers, you all have got small penises and fat arses“. „Schrift ist das Bild“ war sein Beitrag und er führte uns durch zahlreiche seiner Arbeiten. Dabei erklärte er immer, woher die Inspirationen für die von ihm entwickelten Schriften kamen und warum eine Schrift auch mal schlecht für das eigene Image sein kann: sein Font „Manson“ erregte die Öffentlichkeit, weil man unmöglich eine Schrift nach einem Serienkiller benennen könne. Aufgebrachte Zeitgenossen warfen Jonathan dann gleich Gewaltverherrlichung vor und machten Namensvorschläge für seine nächsten Schriftentwürfe, mit denen er sich wieder ins Abseits befördern könne. So wurde ihm z.B. eine „Nigger“ vorgeschlagen. Am besten dann aber gleich die Schriftenfamilie mit „Nigger black“ und „Nigger extrablack“. Jonathan verstand es, das Publikum zu unterhalten und auch seine Geschichte über das Cover einer David Bowie CD war sehr amüsant. David Bowie am Telefon: „I did not copy your design. It’s more of a homage”.

Ein gelungener Auftakt.

Urgestein Kurt Weidemann, sprach herrlich philosophisch zu „Sei einzigartig, ohne als Einziger artig zu sein“ und war mit seinen 86 Jahren, den knallroten Schuhen und dem dringenden Bedürfnis, während seines Vortrages um 15:30 ein paar Bierchen zu zischen, einfach sehr sympathisch. „Dank Suchmaschinen veröden unsere Gehirne“. „Nicht der liebe Gott ist allwissend sondern wikipedia“.

Mein Highlight sollte aber der Vortrag von Alison Jackson sein. Alison Jackson, eine der gefragtesten Fotokünstlerinnen, arbeitet in ihren Werken mit Look-a-likes und versorgt uns mit „getürkten Paparazzi Bildern“. Die Queen beim abwaschen, George W. Bush mit Toni Blair auf dem Rummelplatz oder David Beckham auf dem Klo. Superwitzig und unbedingt mal anklicken: http://www.alisonjackson.com Aktuell sucht Alison Jackson dringen Look-a-likes für Barack Obama und John McCain. Vielleicht kennt ihr ja jemanden 😉

Natürlich muss noch der Vortrag „Dinge, die ich im Leben gelernt habe“ von Stefan Sagmeister erwähnt werden. Beeindruckender Mann der, weil er keine Plattencover mehr machen wollte zur Abschreckung „Das kostet $97.000“ zu Jay-Z sagte. Er hat damit in zwei Tagen mehr verdient als ein normaler Angestellter im Jahr. Klar, dass man dann predigen kann, man solle alle 7 Jahre ein kundefreies Jahr einlegen. Ab September zieht er sich dann wieder zurück und macht mal Pause. Aber vorher gab es noch eine schöne Breitseite in Richtung Spiekermann: das schwierigste im Geschäft ist es, klein zu bleiben.

Natürlich hat man in allen Vorträgen auch sehr viele Dinge gesehen, die man aus verschiedenen Magazinen und Büchern bereits kannte. Die Leute hinter den Projekten mal persönlich zu sehen und Ikonen wie Stefan Sagmeister, Kurt Weidemann oder Erik Spiekermann gegenüberzusitzen ist aber trotzdem eine tolle Erfahrung.

Ich vergleiche die TYPO dann am liebsten mit einem Popkonzert. Wenn ich auf ein Konzert von Madonna, MC Hammer oder David Hasselhoff gehe, kenne ich die Hits ja auch und es ist trotzdem fantastisch, den Künstler live zusehen und man nimmt sehr viel mehr mit als beim bloßen Anhören der CD.

Vielen Dank an die Geschäftsführung, an Roland und an mein Team, die es mir ermöglicht haben an drei wunderbaren Tagen über unseren Tellerrand (Webdesign) zu blicken und jede Menge beeindruckende Gestaltung zu sehen.

Sebastian Jerie


Kommentare

  1. Interessanter Bericht – Danke dafür Sebastian! Nächstes Mal möchte ich aber unbedingt mit auf dieses Popkonzert! 🙂

    Kommentar von Jens B. - 30. Juni 2008 um 15:52

  2. Interessanter Bericht – Danke dafür Sebastian! Nächstes Mal möchte ich aber unbedingt mit auf dieses Popkonzert! 🙂

    Kommentar von Jens B. - 30. Juni 2008 um 15:52

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